Reichlich Sonnenschein, das blaue Meer und eine Umgebung vol­ler Gegensätze, was will ein Wanderherz mehr! Und nicht immer ver­bür­gen die größ­ten Höhen auch das größ­te Wanderglück. So fin­det man im Rücken von Javea, zwi­schen Cumbre del Sol und Granadella – Bucht, einen grü­nen und gepfleg­ten Naturpark, der mit Blick auf Berge und Meer zur Erholung ein­lädt. Markierte Wege, Kalköfen, Brunnen und etli­che Aussichtspunkte machen das 700 Hektar gro­ße Gebiet zu einem Wanderparadies. Ein brei­ter Hauptweg, der etli­che Varianten erlaubt, durch­zieht die Hochfläche. Auf die­sen schö­nen Wegen wan­der­te ich, als Vertretung unse­res ges­tern lei­der ver­hin­der­ten Wanderführers Gerth, mit einer gro­ßen Gruppe von fröh­li­chen Wanderern.

Leider gab es hier im Jahre 2016 einen ver­hee­ren­den Brand, der den gan­zen Wald und das Buschland zer­stör­te. Bei die­sem Brand, der durch alle Medien ging, waren 370 Feuerwehrmänner, Zivilgarde, Militär und vie­le Löschflugzeuge tage­lang im Einsatz. Angesichts die­ser Tatsache freu­ten wir uns umso mehr über das nach­wach­sen­de Grün und die mit Palmitas, Zistrosen, Lavendel und vie­len bun­ten Blumen über­sä­ten Berghänge. Mit aller Macht ver­sucht die flei­ßi­ge Mutter Natur, sich ihr Terrain so schnell wie mög­lich zurück zu erobern.

Noch mit die­sen Gedanken beschäf­tigt, dräng­te sich der 753 m hohe Felsklotz Montgó ins Blickfeld. Er wur­de wegen sei­ner ein­zig­ar­ti­gen Tier- und Pflanzenwelt im Jahre 1987 offi­zi­ell zum Naturpark erklärt und trennt die bei­den Küstenorte Jávea und Denia. Aber auch das vor­ge­la­ger­te Kap San Antonio mit dem weit­hin sicht­ba­ren Leuchtturm und den elf mitt­ler­wei­le restau­rier­ten, mit­tel­al­ter­li­chen Getreidemühlen lenk­te die Blicke auf sich. Und rund­her­um glit­zer­te das blaue Meer. Idylle pur.

Auch ein neu reno­vier­ter Kalkbrennofen bat um unse­re Aufmerksamkeit. Diese Überbleibsel der Vergangenheit fin­det man in die­ser Region recht häu­fig, gehör­te doch die geziel­te Verarbeitung von Kalkstein zu den bedeu­tends­ten Produktionsverfahren der ver­gan­ge­nen Jahrhunderte. Die ältes­ten Zeugnisse der Kalkherstellung stam­men aus Anatolien und sind 11000 Jahre alt.

Bald erga­ben sich schö­ne Blicke auf das nur 90 km ent­fern­te Ibiza und natür­lich auf das leb­haf­te und manch­mal aus allen Nähten plat­zen­de Javea. Umso mehr genos­sen wir unse­re ruhi­gen Wanderwege, wo man das Leben aus der Vogelperspektive betrach­ten kann und außer dem Möwengeschrei kei­ne stö­ren­den Laute ver­nimmt. Für unse­re Mittagsrast bot sich ein aus­sichts­rei­cher Mirador an, den man hübsch ein­ge­zäunt und mit Übersichtskarten ver­se­hen hat. Wie schön wäre es aller­dings, hät­te man hier eini­ge Sitzmöglichkeiten geschaf­fen, um dem müden Wanderer zu einer gemüt­li­chen und aus­sichts­rei­chen Rast zu ver­hel­fen. Aber wir Wanderer sind fle­xi­bel und neh­men not­ge­drun­gen auch mal mit einem fel­si­gem Untergrund als Sitzgelegenheit vor­lieb.

Gut gelaunt und fröh­lich erreich­ten wir dann nach 3 Stunden unse­ren Ausgangspunkt auf dem Cumbre del Sol und unser gebuch­tes Restaurant, wo wir den Wandertag bei einem wirk­lich guten Essen und mit net­ten Gesprächen aus­klin­gen lie­ßen.

Ingrid Lechner

zu den Fotos

Vorschau: 14.11. Mittelschwere Wanderung im Vall de Gallinera zu den Felsmalereien

07.11.2018 – Rundwanderung auf der Granadella-Hochfläche