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Tagesfahrt zur Isla Nueva Tabarca am 04.05.2010
Nach den gestrigen heftigen Regenfällen mit
sturmartigen Böen meint es der Wettergott heute gut
mit uns: einige Wolken bei kräftigen Winden und 10
Grad Celsius. Ob wohl die Fährboote bei dem Wind
fahren? Abwarten. Notfalls kommt Plan B auf den
Tisch.
Zügig treffen die Teilnehmer und der Bus ein. Ich
begrüße die Reisenden und Vicente, den Busfahrer.
Dann geht’s los. Vicente hat wegen des Windes beide
Hände voll zu tun; aber das
Meer zur Linken sieht doch relativ ruhig aus.
Abwarten.
In Santa Pola treffen wir unseren Guía José Manuel.
Der Wind weht ablandig, die See ist etwas bewegt
aber die Fähre ist in Betrieb. Irgendjemand scheint
es gut mit uns zu meinen. Vierzig Minuten später
sind wir, nach einem kurzen Vortrag über die
Wasserpflanze Posidonia,
auf der Insel. Jetzt haben wir uns erst einmal einen
Kaffee verdient. José Manuel kommt noch einmal auf
Posidonia zurück und erläutert die Entstehung des
geschützten Meeresparkes der die Insel, eher ein
Inselchen von rund 1,5 km Länge und maximal 400 m
Breite, umgibt.
Der Rundgang über die Insel und durch die bewegte
Geschichte beginnt. Den einstigen Stützpunkt
berberischer Piraten und Schmuggler, die die
Iberische Mittelmeerküste heimsuchten kann man sich
noch gut vorstellen: rings um die Insel gibt es
kleine Buchten. Davor hunderte von Riffe und Felsen,
den Alten namentlich bekannt, die die Navigation für
nicht Eingeweihte praktisch unmöglich machten. Um
dem ein Ende zu bereiten besiedelte Carlos III im
Jahre 1768 die Insel mit 68 Genuesern, die er zuvor
aus tunesischer Gefangenschaft von der Halbinsel
Tabarqah befreit hatte. Die Genueser nannten die
Insel daher Nueva Tabarca. Sie befestigten den
kleinen Ort und gingen dem Fischfang nach, besonders
dem Thunfisch. Die Bevölkerung blieb unter sich und
vermehrte sich. Zeitweise lebten über 900 Personen
auf der Insel und vom Fischfang. Dann blieb der
Thunfisch aus. Zuwenig, dass alle davon leben
konnten. Heute gibt es noch einige wenige Dutzend
Einwohner, die in den kleinen Häusern rund um die
Wehrkirche wohnen und überwiegend vom Tourismus
leben. Und die Touristen fallen hier ein, wie damals
die Piraten an der Küste. Bis zu 6.000 pro Tag im
Sommer. Zum Glück halten sie sich nur von 10 bis 20
Uhr hier auf. Danach kehrt wieder Ruhe ein.
Auch heute finden sich Parallelen zu Früher: als
Carlos III nach dem Bau der Stadtmauer das
Geld ausging wurde nichts mehr gebaut. Die
Restaurierung der Wehrkirche zieht sich seit 9
Jahren hin. Sie ruht seit zwei Jahren, da kein Geld
mehr da ist. Der massive Turm San José mit
quadratischem Grundriss steht außerhalb des Ortes.
Er diente als Gefängnis und Wachturm. Dahinter,
erreichbar über einen Trampelpfad, der Leuchtturm
und am äußersten Ende der kleine Friedhof. Auf ihm
liegen auch Vorfahren unseres Guías, wie er mit
etwas Wehmut erzählt.
In einem der vielen Restaurants, wohl mehr als
Einwohner, erhalten wir ein ausgezeichnetes
Menü mit Meeresfrüchten. Zur großen Überraschung
gibt es auch noch Regalos: einen Strohhut und ein
sehr schönes Poster von der Insel. Vielen Dank!
Noch eine freie Stunde bis das Schiff uns abholt.
Das Meer sieht etwas bedrohlicher aus als am Morgen.
Nach einer Überfahrt von 40 Minuten ist es hinter
uns und wir im Hafen von Santa Pola. Der Bus nimmt
alle wieder auf und wir machen noch einen Abstecher
zu den Salinen, wo wir neben vielen anderen
Wasservögeln auch eine große Anzahl Flamingos sehen
können. Ganz nebenbei erfahren wir auch noch, dass
Santa Pola einst ein wichtiger römischer Hafen war.
Vielen Dank an José Manuel für die vielen
Informationen.
Die Rückfahrt ins regnerische Denia vergeht wie im
Fluge.
Ein ausgesprochen interessanter Tag in angenehmer
Gesellschaft.
Waltraud Gisselmann-Lappe
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